Interview mit der ausscheidenden Sprecherin des Vorstandsteams Karin-Momsen-Wolf

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Karin Momsen-Wolf, seit vielen Jahren engagiertes Mitglied im LApK, stellvertretende Vorstandsvorsitzende und seit dem letzten Jahr Sprecherin des Vorstandsteams, zieht sich jetzt aus der aktiven Mitgliedsarbeit in den wohlverdienten „Ruhestand“ zurück. Aus diesem Anlass blickt sie in einem Interview mit unserem Mitglied Grania Grözinger auf ihre aktive Zeit zurück und gibt einen Ausblick.

Wie lange sind Sie in dem Landesverband schon Mitglied, was war der Anlass Ihres Beitritts und wann haben Sie sich entschlossen, den Vorsitz zu übernehmen?

Mitglied im Landesverband der Angehörigen bin ich tatsächlich schon seit fast zwanzig Jahren. Im Vorstand habe ich rund 15 Jahre gearbeitet: zunächst im erweiterten, dann im geschäftsführenden Vorstand. Zuletzt habe ich 2021 im Vorstandsteam die Öffentlichkeitsarbeit übernommen. Nun möchte ich mich aus Altersgründen von der aktiven Arbeit zurückziehen. Der Grund für den Beitritt zum LApK war derselbe wie bei allen Aktiven- meine Söhne waren schwer erkrankt und ich war verzweifelt. Freunde erzählten mir von einem Selbsthilfeverband für Angehörige. Ich rief dort an, hatte das erste Beratungsgespräch und das Gefühl, dass mich mein Gegenüber verstand. Das war ganz wichtig für mich, denn die meisten  Freunde und Bekannte konnten das nicht.

 Es ist ja tatsächlich, wenn man die Erkrankung nicht kennt, manches von dem schwer nachvollziehbar, was sie  an Veränderungen der Person bewirkt.

Ganz zufrieden war ich mit der Beratung dennoch nicht. Ich hoffte zu der Zeit immer noch, einen entscheidenden Hinweis zu bekommen, was ich tun könne, damit meine Söhne wieder ganz gesund werden. Aber immerhin hatte ich Ansprechpartner gefunden.

Darüber hinaus merkte ich bald, dass ich über den Verband viele nützliche Informationen erhalten konnte, die mir halfen, praktische Probleme zu lösen, die im Zusammenhang mit einer psychischen Erkrankung unweigerlich entstehen. Wohnung, Arbeitsplatz, Grundsicherung, Hygiene, Konflikte mit  Nachbarschaft oder Polizei… um nur die offensichtlichsten zu nennen.

In welchen Bereichen haben Sie sich vor allem engagiert?

Ich merkte bald, dass Angehörige aber nicht nur praktische Hilfe benötigen, sondern auch Trost. Deshalb entwickelte ich die Idee, ­Gottesdienste für Angehörige - einmal pro Jahr - in Zusammenarbeit mit Pastor Dircks von der Hauptkirche St. Petri zu gestalten.  Die Idee wurde von unserem damaligen Vorsitzenden, Herrn Dr. Meyer, unterstützt. So konnte ich neun Jahre lang diese Gottesdienste vorbereiten, die wachsenden Anklang fanden, bis Corona eine Weiterführung verhinderte.

Darüber hinaus war es mir wichtig, in Politik und in den Sozialpsychiatrischen Einrichtungen die Angehörigenperspektive einzubringen. Dafür habe ich an unzählbaren Sitzungen teilgenommen. Ich hoffe, dass es mir gelungen ist, Fragen zu stellen, die sonst niemand stellte, hin und wieder ein Vorurteil zu revidieren,  eine Sichtweise zu verändern oder eine neue Entwicklung mit auf den Weg zu bringen.

Was sehen Sie als wichtige Anliegen, die dringend von Politik bzw. von Seiten des Gesundheitswesens  noch bearbeitet werden müssten?

Für sehr wichtig halte ich es, dass wir in Hamburg, wie in vielen anderen Bundesländern bereits geschehen, einen Psychiatrieausschuss bekommen, der kompetent Konzepte ausarbeiten, Entwicklungen anstoßen und diese begleiten kann.

Psychisch erkrankte Menschen haben keine Lobby, sie gehen nicht auf die Straße, um zu protestieren. Umso wichtiger ist eine strukturell abgesicherte Vertretung, die für Gesundheit, Menschenwürde und Teilhabe eintritt.

Es wird niemanden überraschen, dass es noch einiges mehr gibt, für das wir als LApK eintreten. Da man alles auf unserer Website nachlesen kann, will ich hier darauf verzichten.

Gibt es schon Änderungen in der Situation von Angehörigen psychisch erkrankter Menschen in Bezug auf Miteinbeziehung etc.  die Sie während Ihrer aktiven Zeit beobachten konnten?

Glücklicherweise hat sich im Bereich der Psychiatrie in den letzten zwanzig Jahren einiges zum Guten hin entwickelt. Ich erwähne hier nur die UN-Behindertenkonvention, die sehr klarstellt, dass Menschenrechte uneingeschränkt für alle Menschen gelten. Das weitgehende Verbot von Zwangsbehandlung und Fixierung, Fortschritte in Wissenschaft und Medizin und nicht zuletzt die Einsicht, dass Eltern keine Erkrankung auslösen, aber Unterstützung anbieten können, sind wichtige Fortschritte.

Was wünschen Sie dem Verein für die Zukunft?

Dem LApK wünsche ich vor allem engagierte Menschen, die bereit sind, sich einzusetzen. Hilfebedarf besteht. Aber es braucht immer Menschen, die anpacken, die ihre Fähigkeiten einbringen in unserem Verband.

In diesem Sinne noch viele weitere erfolgreiche Jahre!