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Kein Mensch ist immer nur schwach
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Grundsätzliche
Überlegungen
Ehrenamtliche Arbeit kann für
psychisch erkrankte Menschen in unterschiedlichen Lebenssituationen
eine überlegenswerte Option sein.
Die
Eingliederung in den normalen Arbeitsmarkt wird angestrebt
Wenn die Eingliederung in den normalen
Arbeitsmarkt, der Erwerb einer beruflichen Qualifikation oder
schlicht die Möglichkeit, Geld zu verdienen, angestrebtes Ziel
ist, ist der Gedanke an eine ehrenamtliche Tätigkeit zunächst
oft fern liegend. Dennoch gibt es Gesichtspunkte, die auch in dieser
Situation zumindest eine zeitweise ehrenamtliche Tätigkeit
sinnvoll erscheinen lassen können. Ehrenamtliche Tätigkeit
kann Gelegenheit zum (Wieder)-Einüben alltagspraktischer
Fähigkeiten wie soziale Kompetenz im zwischen-menschlichen
Bereich, Pünktlichkeit, Verlässlichkeit, Bewältigung
auch längerer Arbeitswege, selbstständige Gestaltung eines
geordneten Tagesablaufs geben, sie kann Chancen zum Erwerb neuer
Kenntnisse und Fähigkeiten bieten, sie kann dem Nachweis von
Leistungswillen und Leistungsfähigkeit dienen, sie kann einen
näheren Kontakt zum Arbeitsleben ermöglichen. Der Nachweis
einer ehrenamtlichen Tätigkeit während einer Zeit der
Arbeitslosigkeit lässt in einem Bewerbungsschreiben die
Biographie in einem besseren Licht erscheinen.
Die Eingliederung in
den normalen Arbeitsmarkt wird nicht angestrebt
Andere Gesichtspunkte ergeben sich,
wenn eine Eingliederung in den normalen Arbeitsmarkt keine
realistische Möglichkeit darstellt und der Lebensunterhalt
glücklicherweise durch Rente oder Grundsicherung sichergestellt
ist. Hier kann eine auch längerfristige ehrenamtliche Tätigkeit
wichtige menschliche Grundbedürfnisse erfüllen. Das Gefühl,
einer sinnvollen Betätigung nachzugehen, irgendwo gebraucht zu
werden, nicht sinnlos seinen Tag verbringen zu müssen, trägt
erheblich zur seelischen Stabilisierung bei. Ehrenamtliche Arbeit
kann zu sozialen Kontakten außerhalb des psychiatrischen
Versorgungssystems verhelfen, kann der häufigen Vereinsamung
psychisch erkrankter Menschen entgegenwirken, auch dies ein nicht
gering einzuschätzender Umstand.
Weiter ist daran zu denken, dass aber
auch viele psychisch erkrankte Menschen es als bedrückend, ja
beschämend erleben, gewissermaßen von staatlicher
Unterstützung leben zu müssen. Durch ehrenamtliche
Tätigkeit hat der psychisch erkrankte Mensch eine Möglichkeit,
seinerseits der Allgemeinheit etwas zurückzugeben.
Vorgeschichte
Im Frühjahr des Jahres 2006 fand
sich in der Asklepios Klinik Nord/ Ochsenzoll ein „Runder Tisch
Arbeitsgelegenheiten“ zusammen, Teilnehmer waren Sozialarbeiter
der Klinik und aus außerklinischen Bereichen, Vertreter des
Angehörigenverbandes Hamburg und Mitarbeiter einer
Aktivoli-Anlaufstelle. Der Runde Tisch stellte sich zur Aufgabe, Wege
für psychisch kranke oder beeinträchtigte Menschen in
ehrenamtliche Arbeit zu entwickeln.
In Hamburg und Umgebung gibt es ein
großes Angebot an ehrenamtlichen Betätigungs-möglichkeiten.
Viele der Anbieter sind in Hamburg im Aktivoli-Netzwerk, dem Verbund
zur Engagementförderung in Hamburg (www.aktivoli.de ), und
seinen „Anlaufstellen/ Agentuern“ zusammengefasst.
Der Wunsch psychisch beeinträchtigter
Menschen nach Vermittlung einer ehrenamtlichen Betätigung kann
aber häufig nicht realisiert werden. Die weit verbreitete
Stigmatisierung psychisch kranker Menschen führt zu
Berührungsängsten und Unsicherheiten sowohl bei
Mitarbeitern der Anlaufstellen als auch bei den Organisationen.
Tatkräftige Unterstützung
erfuhr das Projekt durch die Hamburger Behörde für
Soziales, Familie, Gesundheit und Verbraucherschutz, Abteilung
Koordination bürgerschaftliches Engagement. Es konnte auf diesem
Weg ein direkter Kontakt zum Aktivoli-Netzwerk hergestellt werden.
In gemeinsamen Gesprächen wurden
Wege und Möglichkeiten diskutiert. Es wurde sehr deutlich, dass
ein Interessenausgleich zwischen den zivilgesellschaftlichen
Organisationen und den ehrenamtlich tätigen Menschen gefunden
werden muss. Nur wenn beide Partner angemessen profitieren, kann sich
ein dauerhafter Erfolg einstellen.
Deutlich wurde ferner, dass bei den
Mitarbeitern der Anlaufstellen ein hoher Informationsbedarf
hinsichtlich psychischer Erkrankungen besteht. Zur Erstinformation
wurde ein Merkblatt „Hin-weise zu psychischer
Erkrankung/Beeinträchtigung“ entwickelt. Inzwischen wurde
der folgende Weg zur Vermittlung von psychisch beeinträchtigten
Menschen in freiwillige ehrenamtliche Arbeit entwickelt.
Der Weg zur
freiwilligen ehrenamtlichen Arbeit
1.Schritt:
Sie wenden sich an die unten
angeführte Kontaktadresse um einen Gesprächstermin mit
einem/er Vertreter/in des Angehörigenverbandes zu vereinbaren.
Anhand eines speziell entwickelten
Leitfadens führen wir ein Erstgespräch. In diesem
persönlichen Gespräch sollen neben Ihren Fähigkeiten
und Wünschen insbesondere auch Leistungsvermögen,
Belastbarkeit und eventuelle persönliche Schwierigkeiten offen
angesprochen werden. Dies Gespräch wird von einem Mitglied des
Angehörigenverbandes geführt, das persönliche
Erfahrung im Umgang mit psychisch erkrankten oder beeinträchtigten
Menschen hat.
2.Schritt:
Auf der Grundlage der Ergebnisse aus
Schritt 1 wird der Kontakt zu einer der Anlaufstellen aufgenommen,
mit der Bitte, Sie mit der Vermittlung in eine Tätigkeit, die
zu Ihren Fähigkeiten und Leistungsvermögen passt, zu
unterstützen. Dort wird auch das weitere Vorgehen mit den dort
tätigen Vermittlern besprochen. Ihre Bewerbung um eine
Tätigkeit kann auf Wunsch durch die Kontaktperson des
Angehörigenverbandes begleitet werden.
3.Schritt:
Kommt es zu einer Vermittlung bieten
wir Ihnen an, Sie weitergehend zu begleitung,mit den Ziel, Sie bei
eventuellen Problemen unterstützen zu können und
Erfahrungen zu sammeln, die Ihnen und anderen Ehrenamtlichen zugute
kommen können. Es wird angestrebt, dass jede in ehrenamtliche
Arbeit vermittelte Person einen festen Ansprechpartner sowohl bei
der vermittelnden Anlaufstelle als auch beim Angehörigenverband
hat.
Mit diesem Angebot sind keinerlei feste
Anforderungen an die Leistungsfähigkeit verbunden. Auch einmal
im Monat für kurze Zeit, um z.B. einem behinderten Mitmenschen
Gesellschaft zu leisten, wäre eine sinnvolle Beschäftigung,
bei deren Vermittlung wir Sie gern unterstützen würden.
Ansprechpartner:
Angehörige psychisch Kranker
Landesverband Hamburg e.V.
Michael Urban, Mitglied des Vorstandes
Tel. 040-8701058
Email: emurban@gmx.de
Dieses Projekt des Angehörigenverbandes wird mit Mitteln der Glücksspirale gefördert

www.bagfw.de
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